2019

Mit Leidenschaft bei der Arbeit: New Work beim Goethe-Institut und IXDS

New Work: Schön klingendes Buzzword? Heilsversprechen? Oder gar Schreckgespenst?

Das Thema wird viel diskutiert, die Erwartungen an New Work gehen aber oft weit auseinander. Für die Innovationsagentur IXDS ist New Work gelebte und hochgeschätzte Realität. Für das Goethe-Institut, das weltweit tätige Kulturinstitut der Bundesrepublik Deutschland, ein Weg zu noch besserer Zusammenarbeit und Freude an der Arbeit.

Anlässlich des Umzugs der in München ansässigen Zentrale wollte das Goethe-Institut eine neue Kultur der Arbeit und Kooperation einführen und fand mit IXDS einen starken Partner. Nach dem Projekt sprechen Tina Lierheimer und Daniela Gollob (Goethe-Institut) und Stephan Rein (IXDS) über Visionen, Erfolge, Herausforderungen und Highlights.

Der Umzug in neue Räume war der Aufhänger, neue Arbeitsmethoden und eine neue Arbeitskultur einzuführen. Wann haben Sie gemerkt, dass es an der Zeit für diesen Schritt war?

Goethe-Institut: Schon seit längerer Zeit gibt es den starken Wunsch, die Räume entsprechend neuer Bedürfnisse und Arbeitsformen umzubauen. Auch wollten wir noch stärker bereichsübergreifend zusammenarbeiten. Der Umzug war der ideale Moment, um mit der räumlichen Veränderung auch neue Formen der Zusammenarbeit einzuführen.

Was gab den Ausschlag, IXDS als Partner für diesen Weg zu wählen?

Goethe-Institut: IXDS ist eine Innovationsagentur mit einem sehr pragmatischen Ansatz. Ihre Arbeit mit Prototypen bietet uns viel Potenzial, diese Methoden längerfristig anzuwenden. Und IXDS lebt selbst New Work.

Was war der erste Eindruck von der Arbeitsorganisation beim Goethe-Institut und den Innovationsmöglichkeiten in den bestehenden Strukturen?

IXDS: Nach den ersten Treffen und Interviews mit den Mitarbeitern war klar, dass das Institut klassisch hierarchisch organisiert ist. Trotzdem erlebten wir sofort auch viel Offenheit und Motivation für neue Ideen. Ein Umzug ist auch aus unserer Sicht eine großartige Gelegenheit, Veränderungen von innen heraus zu erschaffen, was entscheidend ist, um den Wandel im Unternehmen auch aufrecht zu erhalten.

Vermeintlich komplexe Themen bekommen eine Leichtigkeit, wenn man sie gemeinsam mit anderen Kolleg*innen angeht und mit einem anderen Blickwinkel betrachtet. In diversen Teams kommt man oft zu erstaunlich einfachen Lösungen. Nichts Perfektes, sondern etwas, das man ausprobiert und weiterentwickeln kann.

Was war besonders reizvoll an der Arbeit mit dem Goethe-Institut?

IXDS: Die Menschen! Diese Offenheit, der Mut und das Vertrauen, das uns von Anfang an entgegengebracht wurden, waren ein perfekter Boden für unsere Arbeit. Eine bessere Basis, um New Work einzuführen, kann man sich kaum wünschen.

Was waren zentrale Ergebnisse der Kooperation? Konnte davon vielleicht sogar schon etwas umgesetzt werden?

Goethe-Institut: In einem zweitägigen Hackathon haben wir einfache, schnell entwickelte Prototypen erarbeitet, die schon eingeführt wurden und gerade getestet werden. Uns wurde deutlich, dass New Work vor allem eine Haltung und Einstellung zur Arbeit ist. Gemeinsam mit IXDS haben wir Goethe-Institut-spezifische New-Work-Prinzipien entwickelt, die gut als Leitgedanke funktionieren.

IXDS: Wir konnten von Anfang an mit einem engagierten Team von internen Change Agents arbeiten, die die angesprochenen und sehr konkreten Ideen entwickelt haben. Diese beinhalten zum Beispiel ein Signalsystem für die eigene Ansprechbarkeit in geteilten Büros, eine Plattform, auf der man seine Qualifikationen mit seinen Kollegen teilt, sowie agile und pragmatische Prozesse zur Problemlösung.

Welche Vorteile bieten diese neuen Methoden dem Goethe-Institut? Wie kann es von ihnen profitieren?

Goethe-Institut: Wir sehen in einer inspirierten Innovationskultur und im stärker vernetzten Arbeiten wichtige Bausteine, um als moderne Organisation in einer digitalen Welt zu funktionieren und um unseren Auftrag und unsere Ziele als deutsches Kulturinstitut zu erfüllen.

IXDS: Am wichtigsten ist, dass das gemeinsam geschaffene Umfeld die Fähigkeiten der Teams verbessert. Arbeitsaufwand und Verantwortung können leichter geteilt werden, wodurch auch die Motivation gestärkt wird, eigene Projekte und Initiativen zu starten. Davon profitiert im Anschluss wieder die ganze Organisation. Ein weiterer großer Vorteil ist, dass ein auf New Work aufbauendes Goethe-Institut für junge Arbeitnehmer attraktiver wird, was im so genannten "War for Talent" nicht zu unterschätzen ist.

Was sind die größten Herausforderungen auf dem Weg zu einem solchen, auf New Work aufbauendem Goethe-Institut?

IXDS: Die größte Herausforderung ist, dass der Wille für Veränderungen die gesamte Organisation durchdringen muss. Die Teams müssen von sich aus auf Veränderungen drängen und das Management muss sie auch wollen. New Work ist kein Selbstläufer und es wird nicht sofort alles einfacher. Wie immer geht mehr Freiheit auch mit mehr Verantwortung einher.

Goethe-Institut: Veränderungsprozesse haben immer auch etwas mit Loslassen zu tun. Abschiede fallen manchen leichter, manchen schwerer.

Die größte Herausforderung ist, dass der Wille für Veränderungen die gesamte Organisation durchdringen muss. Die Teams müssen von sich aus auf Veränderungen drängen und das Management muss sie auch wollen.

Was bedeutet New Work für Sie persönlich?

Goethe-Institut: Unsere Arbeit macht für uns Sinn. Wir können sie und unseren Arbeitsplatz mitgestalten. Sie macht uns Spaß – was wir tun, tun wir mit Leidenschaft.

IXDS: Wir haben New Work sehr erfolgreich bei IXDS ein- und umgesetzt. Ich persönlich arbeite auch einfach gerne in Teams, die jedem Mitglied die gewünschte Rolle zugesteht. Ich bin überzeugt, dass Teams besser funktionieren, wenn alle Mitglieder das tun was sie am besten können und alle an einem Strang ziehen. So gibt es mehr Fokus und Freude an der Arbeit – und weniger Reibungsverlust wegen politischem oder hierarchischem Hin und Her.

Wann sollte eine Firma New-Work-Prinzipien einführen? Gibt es eindeutige Zeichen, dass es Zeit dafür wird?

IXDS: Wenn Team-Mitglieder, ob in Führungspositionen oder nicht, durch langwierige Meetings oder ständige interne Diskussionen frustriert sind, wird es höchste Zeit, sich mit New Work zu beschäftigen.

Goethe-Institut: Da gibt es diverse Indikatoren, zum Beispiel wenn man ein attraktiver und moderner Arbeitgeber sein möchte, wenn man mit der digitalen VUCA-Welt mithalten und zukunftsfähig sein möchte. Oder wenn es einen energiereichen Moment wie Umzug oder Umstrukturierung gibt.

Was nehmen Sie persönlich an erster Stelle aus der Kooperation mit?

Goethe-Institut: Vermeintlich komplexe Themen bekommen eine Leichtigkeit, wenn man sie gemeinsam mit anderen Kolleg*innen angeht und mit einem anderen Blickwinkel betrachtet. In diversen Teams kommt man oft zu erstaunlich einfachen Lösungen. Nichts Perfektes, sondern etwas, das man ausprobiert und weiterentwickeln kann.

IXDS: Ich habe viel darüber gelernt wie wichtig es ist, die Bedürfnisse verschiedener Interessengruppen im Blick zu haben und zu verstehen. Jeder sollte an Bord sein oder zumindest die Vision verstehen, die den organisatorischen Wandel vorantreibt.

Gab es einen spezifischen Moment aus der gemeinsamen Arbeit, an den Sie sich besonders gerne erinnern?

Goethe-Institut: Es waren eigentlich zwei Momente: Der Hackathon, der viel Energie und Enthusiasmus, gepaart mit konkreten Ergebnissen brachte. Und der erste Tag im neuen Gebäude mit der Vorstellung der neuen Prototypen. Aufbruchsstimmung, die weiter andauert.

IXDS: Mein Lieblingsmoment war während des Hackathons. Als die Teams ihre Ideen entwickelten merkte man, wie sich erste Zweifel in Begeisterung verwandelten! Da war diese Energie in der Luft, die einfach ansteckend ist.

Das Interview wurde geführt mit Tina Lierheimer und Daniela Gollob (Referentinnen für Organisationsentwicklung, Goethe-Institut), sowie Stephan Rein (Director Human Industries, IXDS).

Goethe-Institut e.V. ist das weltweit tätige Kulturinstitut der Bundesrepublik Deutschland. Es fördert die Kenntnis der deutschen Sprache im Ausland und pflegt die internationale kulturelle Zusammenarbeit. Es vermittelt ein umfassendes Deutschlandbild durch Information über das kulturelle, gesellschaftliche und politische Leben in Deutschland. Kultur- und Bildungsprogramme fördern den interkulturellen Dialog und ermöglichen kulturelle Teilhabe. Sie stärken den Ausbau zivilgesellschaftlicher Strukturen und fördern weltweite Mobilität. Mit einem Netzwerk aus Goethe-Instituten, Goethe-Zentren, Kulturgesellschaften, Lesesälen sowie Prüfungs- und Sprachlernzentren ist das Goethe-Institut seit über sechzig Jahren für viele Menschen der erste Kontakt mit Deutschland. Es ist Partner für alle, die sich aktiv mit Deutschland und seiner Kultur beschäftigen und arbeitet eigenverantwortlich und parteipolitisch ungebunden.
www.goethe.de

IXDS wurde 2006 gegründet und gehört zu den führenden Innovationsagenturen im deutschsprachigen Raum. IXDS ist strategischer Partner für Innovationsprozesse und Technologieentwicklung. Zu den Kunden zählen die DB AG, die BVG, die Hamburger Hochbahn, BMW, Google, die Allianz, BOSCH, Trumpf, SAP, Roche, Siemens, E.ON, VW, SPIE und viele andere. Medien wie WIRED, FOCUS und FINANCIAL TIMES zählten IXDS wiederholt zu den wichtigsten Innovatoren, New Work und Wachstums-Champions Deutschlands.

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